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Facebook in der Krise? Ich denke nicht, Tim.

April 4, 2018

Viele Medien schreiben die Krise von Facebook herbei. Diese Umfragen, die zeigen wollen, dass „50% der Nutzer, darüber nachdenken, Facebook zu verlassen“ sind ein vorübergehendes Phänomen. 100% aller Raucher haben auch mal übers Aufhören nachgedacht. Lange nicht so viele gehen es auch an und setzen es um.

Eine weniger aufgeregte Sicht kommt von Thomas Hutter. Sein Fazit als Kenner der Materie: Ja, Facebook muss was machen und ist kein Unschuldslamm. Er wirft auch eine weitere spannende Perspektive auf: Sind klassische Medien interessiert, Facebook bewusst in die Krise zu schreiben?

Ich lese gerade Attention Merchants von Tim Wu. Ich kann das Buch absolut empfehlen. Es geht um die Geschichte von 150 Jahren Kampf um Aufmerksamkeit von Menschen als Basis von Geschäftsmodellen. Facebook ist einer der aktuellen Champions auf diesem Feld. Die klassischen Medien waren es lange. Es ist nicht verwunderlich, dass Neid sie dazu bringt, sich an Facebook abzuarbeiten.

Es ist auf jeden Fall richtig, Facebook kritisch zu sehen. Vielleicht muss es auch Regulierungen geben. Ich schrieb es vor Kurzem an anderer Stelle: Ein echter Wettbewerber für Facebook würde sehr gut tun. Aber ich bin trotzdem optimistisch. Ich bin mir sicher, wir werden lernen mit dem neuen Medium umzugehen. Tim Wu zeigt folgenden Ablauf auf: Medien überspannen nach Anfangserfolgen den Bogen. Darauf folgen dann Vertrauensverlust und manchmal staatliche Regulierung. Solche Muster sind nicht neu. Tim Wu zeigt sie an mehreren Beispielen seit den 1870ern auf.

Irgendwann werden diese Muster und der Vertrauensverlust Facebook treffen. 2018 ist dieser Zeitpunkt noch nicht erreicht. Dafür sind wir viel zu bequeme Gewohnheitstiere. Oder passiert es euch nie, dass ihr den Tab mit Facebook schließt, um Facebook direkt in einem neuen Tab zu öffnen?